Karriere nur noch mit KI-Nachweis?
Eine ziemlich steile These, die sofort spaltet: Die Digital-Affinen nicken. Die Ü50er atmen einmal tiefer. Die Next Generation rollt innerlich mit den Augen und denkt: Na, endlich.
Damit sind wir auch genau beim eigentlichen Thema: wie Menschen KI beruflich nutzen.
Es geht um den Spagat zwischen Erfahrung und Geschwindigkeit.
In unserer Kanzlei sitzen Menschen mit über 25 Jahren Berufserfahrung. Aber auch solche, die gerade erst starten.
Was für die einen eine Selbstverständlichkeit ist, wirkt auf andere bedrohlich. Die stillen Fragen der Ü50:
- „Reicht meine Erfahrung plötzlich nicht mehr?“
- „Bin ich zu langsam für diese neue Welt?“
Das spricht kaum jemand laut aus. Aber es ist da. Denn wer jahrzehntelang mit Fachwissen, Struktur und Urteilskraft überzeugt hat, will nicht auf einmal an einer Tool-Kompetenz gemessen werden.
Wenn Beförderung nur noch an KI-Nutzung hängt, verwechseln wir Geschwindigkeit mit Wert. Erfahrung ist definitiv kein Auslaufmodell. Sie ist wohl eher der Rahmen, in dem KI überhaupt erst sinnvoll wirkt.
Doch NextGen denkt anders… schneller, mutiger, weniger ehrfürchtig? Nicht jede schnelle Lösung ist eine gute Lösung. Nicht jede Automatisierung ist automatisch rechtssicher. Nicht jeder KI-Output ist mandantenreif.
Hier braucht es besonnene Handlungen mit prüfender Erfahrung und fachlicher Tiefe. Dieses Spannungsfeld ist gleichzeitig die Lösung, wenn wir es richtig anleiten. KI muss die Brücke bilden zwischen Ü50 und NextGen, damit zusammen echte Produktivität, echte Entwicklung entsteht.
Die Aufgabe für uns als Entscheidungsträger ist zwischen allen Generationen eine gemeinsame Sprache, ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln und nicht nur Tools zu kaufen.
Meines Erachtens müssen drei fundamentale Aspekte kombiniert werden, denn sie tragen nachhaltig zum Erfolg bei:
Aus der Sicherheit heraus, darf sowohl Neugier geweckt werden als auch Erfahrung gewürdigt werden.
Die Botschaft an unser Team muss lauten: KI ersetzt hier niemanden, aber sie verändert alles – vor allem unsere Erwartungen an den Umgang mit KI. Es geht nicht mehr um ein temporäres Phänomen. KI ist schon überall und wird bleiben. Wobei nicht jeder alles können muss, aber jeder muss bereit sein zu lernen.
Unser Weg in unserer Kanzlei? Transformation ist Chefsache. Punkt.
Man muss Vorreiter sein und nicht hinter dem Team her humpeln. Ideen sammeln und für sich und sein Unternehmen bewerten – nicht wahllos alles ordern und dann warten, dass es sich irgendwie von alleine regelt.
Das ganze Team mitzunehmen, ist die größte Herausforderung. Es wird auch Aussteiger geben, die den Weg verlassen. Wenn Tätigkeitsfelder wegbrechen – das ist definitiv so – sollten Alternativen geschaffen werden, aber manchmal passt es einfach nicht mehr in die Unternehmensstruktur, was wiederum eine erhöhte Akzeptanz hervorrufen muss.
Was, wenn KI-Telefonie die Empfangs-Assistenz ersetzt? Wenn KI-Agenten die einfachen Büroarbeiten übernehmen? Wer als Arbeitnehmer/in hier nicht echte Chancen sieht und sich weiterentwickelt, hat seinen Platz bereits verloren.
Die Optionen dürfen nicht verschwiegen werden, sondern sind offen zu kommunizieren und wir müssen Entscheidungsfreiheiten zulassen. Gelingen kann es nicht durch Druck, nicht durch hierarchische Anordnungen, denn eine erfolgreiche Implementierung funktioniert nur über Akzeptanz und den Beginn einer gemeinsamen Entwicklungsreise in die Zukunft.
Schließlich entscheidet sich erst dann, ob am Ende ein Mehrwert, der sich auch an Produktivitäts-Zahlen messen lässt, und ein Unternehmen entstehen, welches generationen-übergreifend für die Arbeitswelt von Morgen bereit ist.
Wir haben alles erlebt:
- die anfängliche Skepsis der Erfahrenen.
- die Ungeduld der Jungen.
- vor allem die Missverständnisse dazwischen.
Dafür haben wir viel gelernt und in Schulungen investiert – am meisten in Persönlichkeitsentwicklung und Kommunikationsfähigkeiten.
Wenn man Räume schafft, in denen Fragen erlaubt sind, in denen Ausprobieren nicht lächerlich macht, in denen Erfahrung nicht als „alt“ gilt, dann entsteht nämlich etwas anderes:
R E S P E K T
Und daraus wächst echte Effizienz.
Ich frage mich, ob nicht vielleicht die Karrierefrage falsch gestellt ist.
Es sollte nicht lauten: „Wer nutzt nachweislich KI?“, sondern „Wer verbindet Erfahrung mit Zukunft?“
- Wer bereit ist, dazuzulernen – auch mit 55.
- Wer bereit ist, zuzuhören – auch mit 28.
- Wer bereit ist, Verantwortung zu tragen – mit oder ohne KI-Tool.
KI trennt nicht… sie macht Unterschiede sichtbarer und hilft, neue Verbindungen und neue Unternehmens-Strukturen zu schaffen, die ohne KI nicht möglich wären.
Brücken bauen mit KI zwischen Generationen… die Abkürzung „GenAI“ in diesem Kontext klingt beruflich gar nicht so schlecht.
Was für eine Chance.
Für uns alle…