Nr. 3

Was kommt nach dem Steuerberater-Examen?

Herzlichen Glückwunsch zum Meilenstein – Deine Reise ist noch nicht zu Ende!

Wenn ich aktuell die neu bestellten KollegInnen glücklich mit ihren Urkunden sehe, muss ich immer an meine eigene mündliche Prüfung zurückdenken… vor nunmehr 26 Jahren.

Der Vorbereitungsweg und die Prüfungsmodalitäten sind nahezu noch die gleichen, die Erleichterung nach der Verkündung „Bestanden“ ebenso.

Meilenstein erreicht – plötzlich wieder „Zeit“ und was kommt „danach“?

Jetzt muss sich zeigen, ob Du nur Titelträger bleibst oder Dich auch zum aktiven Steuerberater weiterentwickelst, denn Deine Reise fängt eigentlich hier erst richtig an! Nach der anfänglichen Euphorie stürzen viele in das Loch der Alltagsnormalität oder stellen fest, dass es noch wesentlich mehr braucht, als nur den Titel.

Es bleibt beim lebenslangen Lernen – nein, mit einem Fingerschnipp ist die Praxisausbildung nicht erledigt.

Aber welche Eigenschaften braucht ein erfolgreicher Steuerberater? Er ist weit mehr als nur ein Zahlenliebhaber – sondern auch Berater, Gestalter und Problemlöser. Damit kommen wir zur Frage: welche Eigenschaften sollte ein angehender Steuerberater von sich aus mitbringen, und was kann er in seiner weiteren Praxis-Ausbildung von erfahrenen Kollegen oder Vorbildern lernen?

Wichtige Basis-Eigenschaften eines Steuerberaters:

Analytisches Denken: Die Fähigkeit, komplexe steuerliche Sachverhalte zu durchdringen und optimale Lösungen für Mandanten zu entwickeln.

Kommunikationsstärke: Fachwissen allein reicht nicht – ein guter Steuerberater kann komplizierte Themen verständlich erklären, möglichst in „mandantisch“… die Sprache solltest Du in jedem Fall lernen.

Verantwortungsbewusstsein: Mandanten vertrauen auf korrekte und vorausschauende Beratung. Leichtfertigkeit ist hier fehl am Platz – Dein Job ist zu wichtig.

Eigeninitiative & Umsetzungsstärke: Beratung bedeutet nicht nur, auf Anfragen zu reagieren, sondern auch proaktiv Chancen für Mandanten zu erkennen und zu ergreifen. Wir verfolgen „das Leben“ unserer Mandanten und sind nicht selten auch „Lebens-„Berater.

Lernbereitschaft: Steuergesetze ändern sich ständig. Ein guter Steuerberater bildet sich kontinuierlich weiter. Sorry, der Lerndruck hört nach der mündlichen Prüfung nicht auf – Fort- und Weiterbildung stehen ständig auf dem Tagesplan.

Lernen von erfahrenen Ausbildern, Kollegen – suche Dir Vorbilder

Sicher hast Du vor Deinem Mammutprojekt „Steuerberater-Titel“ bereits Praxiserfahrung im Umgang mit Mandanten, steuerlichen Fragestellungen und allg. Kanzleiaufgaben gehabt. Eigentlich kommt jetzt die wertvollste nächste Stufe in der Praxis-Ausbildung: Entwicklung Deiner Persönlichkeit als aktiver Steuerberater mit weiteren wertvollen Fähigkeiten!

Anforderungen und Verantwortung steigen – aber Du bist nicht allein: arbeite nie ohne ein Team !

➡️ Fallbearbeitung & Mandantenbetreuung: Von der Theorie in die Praxis – wie löst man echte Steuerfälle effizient? Hier erwartet man Deine Lösungsvorschläge!

➡️ Beratungsstrategien: Wie führt man Mandantengespräche, erkennt Gestaltungsoptionen und setzt diese um? Versetze Dich in die Lage Deiner Mandanten und biete umsetzbare Strategien!

➡️ Arbeitsorganisation & Priorisierung: Wie strukturiert man seine Aufgaben effizient, um Fristen einzuhalten und Zeit für Beratung zu haben? Zeitmanagement ist eine tägliche Herausforderung – die wirst Du nie wieder los!

Welche Denkweisen könnten Dir im Weg stehen? Stehst Du Dir vielleicht sogar selber im Weg? Fehlt Dir das „Berater-Gen“?

Passivität: Wer immer nur wartet, dass andere liefern (z. B. Vorgesetzte oder Kollegen), wird nie ein aktiver Berater. Du musst liefern, weil Du es willst!

Angst vor Fehlern: Fehler sind Lernchancen. Wer sich nicht traut, selbst Entscheidungen zu treffen, entwickelt sich nicht weiter. Das hat nichts mit Leichtfertigkeit zu tun – an Fehlern darf man wachsen. Wer keine Fehler macht, bewegt sich nicht weiter!

Reiner “Abarbeiter” sein: Steuerberatung ist nicht nur Deklaration, sondern auch Gestaltung. Wer nur Vorgaben abarbeitet, verschenkt Potenzial. Nutze Tools, um Dich bei den Standardaufgaben unterstützen zu lassen und binde Mitarbeiter ein, um Dir Zeit zu verschaffen für echte Beratung!

Meine Tipps, wie Du vom passiven zum aktiven Berater wirst:

✅ Übernimm Eigenverantwortung: Frühzeitig selbst recherchieren, Vorschläge machen und nach Lösungen suchen.

✅ Proaktiv fragen & lernen: Nicht warten, bis Wissen serviert wird – gezielt nachfragen und aktiv an Mandantenfällen mitarbeiten.

✅ Entscheidungen treffen & Feedback einholen: Mut zur Umsetzung – besser eine fundierte Entscheidung treffen und daraus lernen, als sich nicht zu bewegen.

✅ Wecke das Berater-Gen in Dir: Statt nur Steuererklärungen zu erstellen, zeige Mandanten aktiv Gestaltungsmöglichkeiten auf, denn das ist doch eigentlich das, was Du immer wolltest!

Jeder ist seines Glückes Schmied… aber der Einsatz lohnt sich! Am Ende erntest Du wertvolle Erfahrungen, die Dir Deinen Berufsalltag (und der ist hoffentlich noch lang) immer leichter werden lassen.

Wer nicht nur verwaltet, sondern gestaltet, entwickelt sich vom Erfüllungsgehilfen zum geschätzten Berater – und genau das macht den Unterschied in einer erfolgreichen Karriere als Steuerberater!

Über all‘ dem darf man aber sich selbst nicht vergessen!

Unser Job ist kein Kinderspiel und je eher man sich mit den Soft Skills intensiv beschäftigt, umso nachhaltiger findet die eigene Entwicklung statt. Daher kümmere Dich auch intensiv um die folgenden Fähigkeiten – sog. Soft Skills.


Wichtige Soft Skills für Steuerberater*

  • Kommunikationsfähigkeit: Die Fähigkeit, komplexe steuerliche und finanzielle Sachverhalte klar und verständlich zu erklären. Beispiel: Ein Steuerberater, der einem Mandanten die Vorteile und Risiken einer bestimmten Steuerstrategie verständlich erläutern kann, schafft Vertrauen und fördert eine gute Zusammenarbeit.
  • Empathie: Die Fähigkeit, sich in die Lage des Mandanten zu versetzen und dessen Bedürfnisse und Sorgen zu verstehen. Beispiel: Ein empathischer Steuerberater erkennt, wenn ein Mandant gestresst oder besorgt ist, und bietet Unterstützung und Lösungen an, die auf die individuellen Bedürfnisse des Mandanten zugeschnitten sind.
  • Teamfähigkeit: Die Fähigkeit, effektiv mit Kollegen und anderen Fachleuten zusammen zu arbeiten. Beispiel: Ein Steuerberater, der gut im Team arbeitet, kann gemeinsam mit Kollegen komplexe Fälle lösen und von deren Fachwissen profitieren.
  • Führungsqualitäten: Die Fähigkeit, ein Team zu leiten, zu motivieren und zu inspirieren. Beispiel: Ein Steuerberater, der ein Team von Buchhaltern und Assistenten führt, sorgt für eine effiziente Arbeitsweise und ein positives Arbeitsklima.
  • Zeitmanagement: Die Fähigkeit, Aufgaben und Fristen effektiv zu planen und zu priorisieren. Beispiel: Ein Steuerberater, der seine Zeit gut managt, kann mehrere Mandate gleichzeitig bearbeiten und sicherstellen, dass alle Fristen eingehalten werden.
  • Problemlösungsfähigkeit: Die Fähigkeit, kreative und effektive Lösungen für komplexe steuerliche Probleme zu finden. Beispiel: Ein Steuerberater, der innovative Lösungen für steuerliche Herausforderungen entwickelt, kann seinen Mandanten helfen, ihre Steuerlast zu optimieren.
  • Stressresilienz: Die Fähigkeit, unter Druck ruhig und effektiv zu arbeiten. Beispiel: Ein Steuerberater, der auch in hektischen Zeiten einen kühlen Kopf bewahrt, kann stressige Situationen meistern und weiterhin qualitativ hochwertige Arbeit leisten.
  • Verhandlungsgeschick: Die Fähigkeit, erfolgreich mit Finanzbehörden und anderen Parteien zu verhandeln. Beispiel: Ein Steuerberater, der geschickt verhandelt, kann für seine Mandanten vorteilhafte Vereinbarungen erzielen.

*Die Zusammenstellung der Soft Skills für Steuerberater habe ich mir übrigens mithilfe von KI auflisten lassen – für die vorstehende Übersicht (in Kursiv) habe ich MS Copilot als Co-Autor genutzt.


Du legst keinen Wert auf diese Soft Skills? Dann machst Du Dir das Berufsleben leider nicht leichter…

Während der Ausbildung zum Steuerberater liegt der Fokus primär auf der fachlich-theoretischen Ausbildung. Soft Skills werden eher vernachlässigt, sind jedoch entscheidend für den langfristigen Erfolg. Indirekt stellen sie bereits während der Prüfungsvorbereitung wichtige Qualitäten dar, die sogar zum Zünglein an der sprichwörtlichen Waage werden können. Vielleicht findest Du genau Deine Beispiele jetzt wieder: Bist Du durch die Prüfung gefallen, weil Dein Zeit- und Stressmanagement versagten oder gar nicht vorhanden waren? Ist die mündliche Prüfung mangels Kommunikationsfähigkeit und Verhandlungsgeschick in die Hose gegangen? Fachwissen alleine verschafft Dir nicht den Titel…

Glücklicherweise rutscht der Fokus immer mehr auf die Soft Skills – was früher unausgesprochen als selbstverständlich angenommen wurde, ist heute mehr und mehr Thema. Das ist gut so, da unsere Berufswelt immer komplexer & dynamischer geworden ist.


Exkurs:

Welche Rolle die zunehmende Automatisierung und der Einsatz von KI in unserem Berufsbild einnehmen, lasse ich mal ausgeklammert. Hier lohnt sich in jedem Fall eine separate Betrachtung… insbesondere aus meiner Sicht als Steuerberaterin, die nicht mehr am Anfang der Karriere steht, sondern mit reichlich Erfahrung aus der Rückschau in die Zukunft blicken kann (Fortsetzung folgt…)


Schlussendlich möchte ich den „frisch Bestellten“ eines mit auf den Weg geben.. und ja, es ist nur meine persönliche Meinung:

Werdet zu einem Steuerberater, der sowohl über fachliche Kompetenz als auch über ausgeprägte Soft Skills verfügt! Mit diesen Eigenschaften könnt Ihr Eure Mandanten besser betreuen und Euer Team erfolgreich führen („Nie ohne mein Team“). So könnt Ihr Euch in unserer Lieblings-Branche einen guten Ruf erarbeiten.

Aber vor allem bleibt Euch immer treu, verliert Euch nicht auf dem Karriereweg, findet Eure Work-Life-Balance, fühlt in Euch hinein, ob es noch Euer Weg ist, denn es gibt immer individuelle Alternativen und Spezialisierungen – findet Eure starke Seite in der Steuerberatung!

Findet Eure starke Seite in der Steuerberatung! Ihr seid die Zukunft unserer Branche!

Von Herzen meinen Glückwunsch zum Titel und ganz viel Erfolg für die Zukunft – jetzt geht es erst richtig los…


* Alle in diesem Artikel enthaltenen Begriffe beziehen sich ohne jede Diskriminierung auf alle Geschlechter.

Ältere Beiträge:

Bei Neu-Mandatsanfragen lautet die erste Frage, ob eine papierlose/digitale Zusammenarbeit gewünscht wird, denn sonst kommen wir nicht zusammen. Bei Stamm-Mandanten...

Kennst Du das Gefühl der Veränderungsmüdigkeit? Neue Prozesse, hybride Modelle, digitale Tools – und irgendwann fehlt die Kraft für den...

Was ist anders? Es stecken alle hochkonzentriert in den letzten Fristabgaben, es ist still, weil alle fokussiert sind. Die Frist...

Was machst Du, wenn Deine Mitarbeiter in der Tür Deines Büros stehen und fragen, was sie sich so für die...

Sei ehrlich: wieviel UnternehmerIn steckt in Dir? Machst Du Dir Sorgen, dass viele junge Kollegen (auch in anderen Freiberufler-Branchen) lieber...

Todsicher begegnen mir diese Worte spätestens am Mittag – ich würde sogar behaupten, montags häufiger als an anderen Tagen und...